# Agentische KI und die Selbstoffenbarung menschlicher Arbeit

## Was KI-Anbieter aus Projekten, Agenten und Arbeitsprozessen erkennen können – und wo ihre Grenzen liegen

> **Kernsatz:**  
> Suchmaschinen zeigen, wonach Menschen suchen.  
> Dialog-KI zeigt, worüber Menschen nachdenken und welche Probleme sie formulieren.  
> Agentische KI kann zusätzlich sichtbar machen, **was Menschen und Organisationen zu tun versuchen, wie sie dabei vorgehen, wo sie scheitern und was schließlich funktioniert.**

Diese Entwicklung eröffnet eine neue ethische und politische Frage:

> **Wer darf das aus Millionen Arbeitsprozessen entstehende Metawissen besitzen, auswerten und nutzen?**

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## 1. Von der persönlichen zur operativen Selbstoffenbarung

Schon die Nutzung dialogischer KI erzeugt eine besondere Form von Selbstoffenbarung. Menschen schildern einer KI nicht nur Fakten, sondern häufig auch Probleme, Zweifel, Wünsche, Ziele, Ängste, Konflikte, Entscheidungen und unfertige Entwürfe.

Das ist teilweise eine **Selbstoffenbarung des inneren Lebens**.

Mit Agenten kommt jedoch eine zweite Ebene hinzu. Agenten werden eingesetzt, um etwas zu **tun**:

- Software schreiben,
- Daten auswerten,
- Informationen recherchieren,
- Texte und Konzepte erzeugen,
- E-Mails bearbeiten,
- Dateien organisieren,
- Projekte planen,
- Fehler suchen,
- Prozesse automatisieren,
- Webseiten verändern,
- geschäftliche Entscheidungen vorbereiten.

Dadurch entsteht eine andere Art von Daten.

## Operative Selbstoffenbarung

Ich schlage dafür den Begriff **operative Selbstoffenbarung** vor. Er bezeichnet die Offenlegung von Informationen darüber,

> **was ein Mensch oder eine Organisation erreichen will, in welchem Kontext dies geschieht, welche Strategien gewählt werden, welche Hindernisse auftreten und welche Ergebnisse entstehen.**

Nicht nur der Mensch selbst offenbart sich. Auch seine **Arbeit, seine Projekte und seine Organisation** werden lesbar.

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## 2. Drei Stufen zunehmender Sichtbarkeit

### 2.1 Suchmaschine: „Wonach suchen Menschen?“

Eine Suchmaschine sieht einzelne Suchhandlungen: Begriffe, Interessen, Probleme, Produkte und Themen. Aus Millionen Suchanfragen lassen sich Trends erkennen. Doch meistens bleibt der Ausschnitt klein: eine Frage, ein Stichwort, ein Linkklick.

### 2.2 Dialog-KI: „Worüber denken Menschen nach?“

Bei einer dialogischen KI wird der Kontext größer. Ein Mensch schreibt nicht nur „Datenbank langsam“, sondern beschreibt möglicherweise Vorgeschichte, bisherige Versuche, Hypothesen, Unsicherheiten und Prioritäten.

Aus **Suchdaten** werden in gewisser Weise **Denkdaten**.

### 2.3 Agentische KI: „Was versuchen Menschen zu tun?“

Ein Agent kann näher an den realen Arbeitsprozess rücken. Er erhält möglicherweise Zugriff auf:

- Projektdateien,
- Quellcode und Repositories,
- Datenbanken,
- Dokumente,
- E-Mails,
- Kalender,
- Aufgabenlisten,
- Unternehmenssoftware,
- Tests und Fehlermeldungen.

Damit wird nicht mehr nur eine Frage sichtbar, sondern eine Prozesskette:

**Ziel → Kontext → Strategie → Handlung → Rückmeldung → Korrektur → Ergebnis**

Aus Denk- und Kommunikationsdaten entstehen **Prozess- und Intentionsdaten**.

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## 3. Was Agenten über Arbeit sichtbar machen können

Ein Agentenlauf kann – abhängig von Produkt, Berechtigungen und Datenschutzarchitektur – Hinweise auf sehr verschiedene Ebenen enthalten.

| Ebene | Möglicherweise sichtbar |
|---|---|
| **Ziel** | Was soll erreicht werden? |
| **Priorität** | Was ist besonders dringend oder wichtig? |
| **Kontext** | In welchem Projekt- oder Geschäftszusammenhang geschieht es? |
| **Strategie** | Welcher Lösungsweg wird gewählt? |
| **Alternativen** | Welche anderen Möglichkeiten wurden verworfen? |
| **Probleme** | Wo scheitert der Prozess? |
| **Kompetenzlücken** | Was kann der Mensch oder das Team nicht selbst lösen? |
| **Werkzeuge** | Welche Software, Daten und Plattformen werden verwendet? |
| **Entscheidungen** | Welche Option wird schließlich gewählt? |
| **Erfolg** | Welche Lösung funktioniert tatsächlich? |

Die besondere Informationsdichte entsteht durch die **Kombination** dieser Ebenen.

Ein einzelner Datensatz sagt vielleicht wenig. Millionen vergleichbarer Prozesse können jedoch Muster ergeben.

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## 4. Vom einzelnen Projekt zum gesellschaftlichen Frühbild

Wenn viele Entwickler unabhängig voneinander dasselbe Problem bearbeiten, sieht dies zunächst nur wie eine Vielzahl einzelner Projekte aus. Aggregiert könnte daraus jedoch sichtbar werden:

- Eine neue Technologie wird wichtig.
- Eine bestehende Plattform verursacht zunehmend Schwierigkeiten.
- Eine neue Programmiersprache oder Architektur setzt sich durch.
- Ein bisher manueller Arbeitsschritt wird automatisierbar.
- Ein Werkzeug wird ungewöhnlich häufig ersetzt.
- Eine neue Produktkategorie entsteht.

Ähnliches gilt für andere Bereiche.

### Medizin und Gesundheit
Viele neue Fragen könnten auf Versorgungslücken, Dokumentationsprobleme oder neue Arbeitsanforderungen hinweisen.

### Bildung
Agentennutzung könnte zeigen, welche Inhalte Lernende und Lehrende besonders schwierig finden oder welche Unterrichtsvorbereitungen viel Zeit kosten.

### Wirtschaft
Neue Geschäftsideen und Automatisierungsversuche könnten frühzeitig auf Marktverschiebungen hindeuten.

### Wissenschaft
Forschungsschwerpunkte könnten sichtbar werden, noch bevor Ergebnisse veröffentlicht werden.

### Verwaltung
Wiederkehrende Agentenaufträge könnten strukturelle Schwächen bürokratischer Prozesse erkennen lassen.

Damit könnte aus Agentendaten ein **Frühbild gesellschaftlicher Veränderung** entstehen.

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## 5. Welche Macht könnte daraus entstehen?

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: **Wie viele Daten besitzt ein KI-Unternehmen?**

Sondern: **Welche Muster kann es aus diesen Daten erkennen?**

### 5.1 Erkenntnismacht

Wer sehr viele Arbeitsprozesse beobachten kann, erkennt möglicherweise früher:

- neue Probleme,
- neue Bedürfnisse,
- technische Engpässe,
- häufige Fehler,
- neue Themen,
- entstehende Trends.

Die Plattform könnte damit zu einem besonderen gesellschaftlichen Beobachtungsinstrument werden.

### 5.2 Innovationsmacht

Wenn viele Nutzer immer wieder versuchen, dieselbe Aufgabe zu lösen, entsteht indirekt eine Produktidee. Umständliche Workarounds zeigen dem Anbieter, welche Funktion fehlt. Nutzer können damit unfreiwillig einen Teil der **Produkt-Roadmap** liefern.

### 5.3 Marktmacht

Agenten könnten Veränderungen früher anzeigen als klassische Marktanalysen:

- neue Geschäftsmodelle,
- Automatisierungsfelder,
- sinkende Bedeutung bestehender Software,
- neue Dienstleistungen,
- entstehende Berufsbilder,
- verschwindende Tätigkeiten.

Das wäre ein **ökonomisches Radar**.

### 5.4 Benchmark-Macht

Klassische Benchmarks fragen, ob ein Modell standardisierte Aufgaben lösen kann. Agentenläufe zeigen dagegen, wie Systeme bei echter Arbeit funktionieren: mit unvollständigen Informationen, chaotischen Projekten, widersprüchlichen Anforderungen und realen Fehlversuchen.

### 5.5 Steuerungsmacht

Plattformen beobachten nicht nur Arbeit. Sie strukturieren gleichzeitig den Handlungsraum durch:

- Vorschläge,
- Default-Einstellungen,
- priorisierte Ergebnisse,
- verfügbare Werkzeuge,
- Integrationen,
- Sicherheitsregeln.

Damit entsteht eine Rückkopplung:

> Die Plattform sieht, wie Menschen arbeiten – und beeinflusst zugleich, wie sie künftig arbeiten.

### 5.6 Infrastrukturmacht

Wenn Agenten auf zentrale Arbeitsmittel zugreifen, werden KI-Systeme Teil der **kognitiven Infrastruktur** einer Organisation. Recherche, Kommunikation, Programmierung, Analyse, Dokumentation und Entscheidungsunterstützung können über dieselbe Plattform laufen.

### 5.7 Metawissen

Die tiefste Ebene ist vielleicht nicht der einzelne Datensatz, sondern das Wissen über Muster:

- Wie lösen Menschen Probleme?
- Wo machen sie typische Fehler?
- Welche Strategien führen zum Erfolg?
- Welche Arbeitsschritte sind besonders teuer?
- Welche Kombinationen von Menschen und Werkzeugen funktionieren?
- Wo entstehen regelmäßig Konflikte?
- Welche Aufgaben lassen sich delegieren?

Das wäre eine neue Ressource: **Wissen über die Struktur menschlicher Problemlösung.**

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## 6. Eine neue Form gesellschaftlicher Asymmetrie

Ein einzelnes Unternehmen kennt seine eigenen Schwierigkeiten. Ein Entwickler kennt sein Projekt. Eine Organisation kennt ihre Prozesse.

Eine Plattform mit sehr vielen Nutzern könnte dagegen – sofern sie solche Daten rechtlich und technisch auswerten dürfte – Muster **über viele Organisationen hinweg** erkennen.

Damit entsteht eine mögliche Asymmetrie:

**unten: lokales Wissen**  
gegenüber  
**oben: aggregiertes Metawissen**

Millionen Menschen liefern einzelne Puzzleteile. Der Plattformbetreiber könnte als einer der wenigen das größere Bild sehen.

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## 7. Fünf Ebenen müssen sauber getrennt werden

„Der Anbieter hat technisch Zugriff“ ist nicht dasselbe wie „der Anbieter nutzt alles“.

Mindestens fünf Ebenen sind zu unterscheiden:

1. **Technische Verarbeitung** – Daten müssen verarbeitet werden, damit ein Dienst funktioniert.
2. **Speicherung** – Wie lange bleiben Inhalte oder Metadaten gespeichert?
3. **Menschlicher Zugriff** – Unter welchen Bedingungen können Beschäftigte oder Dienstleister Inhalte sehen?
4. **Statistische oder produktbezogene Auswertung** – Werden Nutzungs- und Prozessdaten aggregiert analysiert?
5. **Modelltraining** – Werden Inhalte zur Verbesserung oder zum Training zukünftiger Modelle verwendet?

Die Frage „Werden meine Daten fürs Training verwendet?“ ist deshalb wichtig, aber nicht ausreichend.

Mindestens ebenso wichtig ist:

> **Welche Erkenntnisse dürfen aus meiner Nutzung gewonnen werden – auch ohne Modelltraining?**

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## 8. Aktuelle Beispiele für unterschiedliche Datenschutzarchitekturen

Die konkrete Lage hängt stark vom Anbieter, Produkt, Tarif, Vertrag und von den Einstellungen ab.

### OpenAI
OpenAI erklärt für Geschäftsdaten, dass Business-Daten standardmäßig nicht zum Training der Modelle verwendet werden. Für qualifizierte API-Kunden sind unterschiedliche Aufbewahrungsoptionen bis hin zu Zero Data Retention vorgesehen. OpenAI beschreibt ZDR für berechtigte API-Kunden als Zusage, Prompts und Modellantworten nach der Verarbeitung nicht aufzubewahren.

### Anthropic
Anthropic erklärt für kommerzielle Produkte und die API, dass Ein- und Ausgaben standardmäßig nicht zum Modelltraining verwendet werden. Für die API nennt Anthropic grundsätzlich eine Löschung innerhalb von 30 Tagen, mit Ausnahmen unter anderem für bestimmte Dienste, Sicherheitsdurchsetzung, rechtliche Anforderungen oder abweichende Vereinbarungen. Zero-Data-Retention-Vereinbarungen können ebenfalls bestehen.

### Google Workspace mit Gemini
Google erklärt für Workspace-Unternehmensumgebungen, dass Organisationsdaten nicht zum Training oder zur Verbesserung von Gemini-Modellen für andere Kunden verwendet werden und dass bestehende Workspace-Sicherheitskontrollen gelten.

**Wichtig:** Produktbedingungen können sich ändern. Vor dem Einsatz für vertrauliche Projekte müssen die aktuellen Vertrags-, Datenschutz- und Aufbewahrungsbedingungen erneut geprüft werden.

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## 9. Rechtliche Grenzen

### 9.1 Datenschutz

Soweit personenbezogene Daten verarbeitet werden, gelten in Europa insbesondere die Grundsätze der DSGVO. Dazu gehören:

- Rechtmäßigkeit und Transparenz,
- Zweckbindung,
- Datenminimierung,
- Richtigkeit,
- Speicherbegrenzung,
- Integrität und Vertraulichkeit.

Diese Prinzipien setzen einer beliebigen Zweitverwendung personenbezogener Daten Grenzen.

### 9.2 Geschäftsgeheimnisse

Nicht jede sensible Information ist personenbezogen. Ein Agent kann beispielsweise erfahren:

- welches Produkt ein Unternehmen entwickelt,
- welche technische Schwäche ein System besitzt,
- welche strategische Option geprüft wird,
- welches Forschungsproblem bearbeitet wird,
- welche internen Engpässe bestehen.

Solche Informationen können wirtschaftlich hochsensibel sein, auch wenn kein klassisches Datenschutzproblem vorliegt.

Hier spielen unter anderem eine Rolle:

- Vertragsrecht,
- Geheimhaltungsvereinbarungen,
- Geschäftsgeheimnisschutz,
- Informationssicherheit,
- Wettbewerbsrecht.

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## 10. Wo liegen die Erkenntnisgrenzen?

Die Macht der Plattformen darf nicht überschätzt werden.

### 10.1 Die Nutzer sind nicht „die Menschheit“

KI-Nutzer bilden keine repräsentative Stichprobe. Bestimmte Länder, Sprachen, Altersgruppen, Berufe, Unternehmen und Einkommensgruppen sind über- oder unterrepräsentiert.

### 10.2 Agenten sehen nur delegierte Ausschnitte

Auch ein Agent mit vielen Rechten sieht nicht automatisch:

- informelle Gespräche,
- Machtverhältnisse,
- persönliche Motive,
- unausgesprochene Konflikte,
- Körpersprache,
- soziale Dynamiken,
- Entscheidungen außerhalb des Systems.

Die digitale Projektdokumentation ist nicht identisch mit der wirklichen Organisation.

### 10.3 Absichten sind nicht Ergebnisse

Ein Projekt kann geplant, begonnen und später verworfen werden. Intentionsdaten sind Signale, keine sicheren Zukunftsprognosen.

### 10.4 Häufigkeit ist nicht Bedeutung

Millionen kleine Routineprobleme können statistisch stärker auffallen als wenige seltene, aber historisch wichtige Entwicklungen.

### 10.5 Kontextverlust

Aggregierte Daten können Muster zeigen und gleichzeitig den ursprünglichen Zusammenhang verlieren. Derselbe Agentenbefehl kann in verschiedenen Organisationen völlig unterschiedliche Bedeutungen haben.

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## 11. Gegenbewegungen: sensible Arbeit wird sich abschirmen

Je bewusster Organisationen den Wert ihrer Arbeitsdaten erkennen, desto stärker werden Gegenmaßnahmen:

- lokale Modelle,
- private Clouds,
- isolierte Unternehmensumgebungen,
- Zero-Data-Retention,
- kundenkontrollierte Verschlüsselung,
- strikte Rollen- und Zugriffsrechte,
- Data-Loss-Prevention,
- Trennung vertraulicher und öffentlicher Agenten,
- technische Protokollierung der Zugriffe.

Es entsteht ein Spannungsfeld:

> Je leistungsfähiger Agenten werden, desto attraktiver wird ihre Integration. Je tiefer ihre Integration wird, desto wertvoller werden die dabei sichtbaren Informationen.

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## 12. Brauchen wir eine neue Datenkategorie?

Der klassische Datenschutz denkt vor allem in Kategorien personenbezogener Daten. Bei Agentensystemen entsteht zusätzlich eine andere Art sensibler Information.

## Operative Intentionsdaten

Sie bestehen aus der Kombination:

**Ziel + Kontext + Strategie + Handlung + Rückmeldung + Ergebnis**

Sie zeigen:

- woran jemand arbeitet,
- was jemand erreichen will,
- wie jemand vorgeht,
- welche Schwierigkeiten auftreten,
- welche Lösung schließlich funktioniert.

Diese Daten können für eine Person, ein Unternehmen, eine Forschungseinrichtung oder einen Staat strategisch relevant sein.

Deshalb könnte es sinnvoll sein, operative Intentionsdaten künftig ausdrücklich als schützenswerte Kategorie zu diskutieren.

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## 13. Nicht nur Datenschutz – Wissensgerechtigkeit

Wenn Plattformanbieter aus sehr vielen Arbeitsprozessen systematisches Wissen gewinnen können, stellt sich die Frage: **Wer profitiert davon?**

### Modell A: Das Wissen gehört allein der Plattform
Der Betreiber nutzt aggregierte Erkenntnisse exklusiv.

### Modell B: Das Wissen wird teilweise öffentlich
Anonymisierte Erkenntnisse über gesellschaftliche Probleme oder technische Engpässe werden als Gemeingut veröffentlicht.

### Modell C: Nutzer und Organisationen erhalten eigene Auswertungen
Wer Daten erzeugt, bekommt einen Teil des daraus gewonnenen Metawissens zurück.

### Modell D: Treuhänderische Datenräume
Bestimmte aggregierte Erkenntnisse werden von unabhängigen Institutionen verwaltet.

Damit berührt das Thema nicht nur Datenschutz, sondern auch:

- Machtverteilung,
- Wettbewerb,
- Gemeinwohl,
- Wissensgerechtigkeit,
- demokratische Kontrolle.

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## 14. Eine neue Machtressource: Verständnis

Historisch kann man verschiedene Formen gesellschaftlicher Macht unterscheiden:

**Land → Kapital → Maschinen → Information → Daten → Verständnis**

Daten allein sind noch kein Wissen. Macht entsteht besonders dort, wo jemand aus vielen Daten zuverlässig erkennen kann:

- was geschieht,
- warum es geschieht,
- wohin sich etwas entwickelt,
- was wahrscheinlich funktionieren wird.

Agentische KI könnte deshalb eine neue Konzentration von **Verständnismacht** erzeugen.

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## 15. Eine doppelte Selbstoffenbarung

### Dialogische Selbstoffenbarung
Die KI erfährt:

> **Was bewegt den Menschen?**

Sie sieht Fragen, Sorgen, Hoffnungen und Konflikte.

### Operative Selbstoffenbarung
Die KI erfährt:

> **Was versucht der Mensch zu tun?**

Sie sieht Projekte, Strategien, Fehler, Werkzeuge und Ergebnisse.

Werden sehr viele solcher Prozesse zusammengeführt, entsteht eine dritte Ebene:

### Gesellschaftliche Mustererkennung

> **Was versucht unsere Gesellschaft gerade zu werden?**

Das ist vielleicht die tiefste Frage dieses Themas.

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## 16. Ethische Leitfragen

Für Nutzer, Unternehmen, Anbieter und Politik ergeben sich mindestens diese Fragen:

1. Welche Arbeitsdaten muss ein Agent wirklich sehen?
2. Welche davon dürfen gespeichert werden?
3. Welche Metadaten werden zusätzlich erzeugt?
4. Welche aggregierten Analysen führt der Anbieter durch?
5. Werden Inhalte oder Metadaten zum Training verwendet?
6. Welche Daten verlassen die Organisation?
7. Welche Drittanbieter oder Werkzeuge werden einbezogen?
8. Wie werden Geschäftsgeheimnisse geschützt?
9. Können sensible Agenten lokal oder in isolierten Umgebungen betrieben werden?
10. Können Nutzer nachvollziehen, was gespeichert und ausgewertet wird?
11. Wer profitiert von den aggregierten Erkenntnissen?
12. Sollte es Grenzen für die Auswertung von Arbeits- und Intentionsdaten geben?
13. Brauchen wir eine eigene rechtliche Kategorie für operative Intentionsdaten?
14. Welche gesellschaftlich wertvollen Erkenntnisse sollten als Gemeingut verfügbar sein?

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## 17. Praktischer Prüfweg für Organisationen

Vor dem Einsatz eines Agenten für sensible Arbeit sollte mindestens geprüft werden:

### A. Daten
Welche Informationen sieht der Agent?

### B. Berechtigungen
Auf welche Systeme darf er zugreifen?

### C. Speicherung
Was wird wie lange gespeichert?

### D. Training
Welche Inhalte dürfen für Modellverbesserung genutzt werden?

### E. Metadaten
Welche Nutzungs- und Prozessdaten entstehen zusätzlich?

### F. Drittanbieter
Welche externen Tools werden aufgerufen?

### G. Geheimnisse
Welche Geschäfts- oder Forschungsgeheimnisse könnten sichtbar werden?

### H. Alternativen
Kann der sensible Teil lokal, isoliert oder mit Zero-Data-Retention ausgeführt werden?

### I. Kontrolle
Gibt es Audit-Logs, Rollenrechte und Beschwerdewege?

### J. Wissen
Welche aggregierten Erkenntnisse entstehen aus der Nutzung – und wer darf sie nutzen?

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## 18. Schluss

Agentische KI ist nicht nur ein neues Werkzeug. Sie kann zu einem neuen Beobachtungsraum menschlicher Arbeit werden.

Die gesellschaftlich wichtige Frage lautet deshalb nicht allein:

> **Was weiß die KI über mich?**

sondern zusätzlich:

> **Was kann der Betreiber aus der Gesamtheit unserer Arbeit lernen?**

Und noch grundlegender:

> **Wer darf dieses Wissen besitzen?**

Die Zukunft der Agenten wird deshalb nicht nur durch ihre Fähigkeiten entschieden, sondern auch durch die Regeln dafür,

- was sie sehen dürfen,
- was gespeichert wird,
- was ausgewertet werden darf,
- wem die gewonnenen Erkenntnisse gehören,
- und wie verhindert wird, dass aus technischer Hilfe eine unangemessene Konzentration von Verständnismacht entsteht.

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# Bild

**Dateiname:** `agentische_ki_und_menschliche_arbeit.png`

**Bildtitel:** Agentische KI und die Selbstoffenbarung menschlicher Arbeit

**Kurztext:** Eine Infografik über die neue Ebene der Sichtbarkeit, die durch KI-Agenten entsteht: von Suchdaten über Denkdaten zu Prozess- und Intentionsdaten.

**Bildbotschaft:** Agentische KI kann nicht nur zeigen, was Menschen denken, sondern auch, was sie zu tun versuchen. Aus vielen einzelnen Arbeitsprozessen kann aggregiertes Metawissen über gesellschaftliche Entwicklungen entstehen.

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# Quellen und weiterführende Hinweise

- OpenAI: Business Data Privacy, Security and Compliance  
  https://openai.com/business-data/

- OpenAI: Zero Data Retention für Frontier-Modelle, 19.08.2026, Update 22.09.2026  
  https://openai.com/de-DE/index/offering-zero-data-retention-for-frontier-models/

- Anthropic Privacy Center: Is my data used for model training? – Commercial products  
  https://privacy.claude.com/en/articles/7996868-is-my-data-used-for-model-training

- Anthropic Privacy Center: How long do you store my organization's data?  
  https://privacy.claude.com/en/articles/7996866-how-long-do-you-store-my-organization-s-data

- Google Workspace: Gemini FAQ / Datenschutz für Organisationen  
  https://knowledge.workspace.google.com/admin/generative-ai/workspace-with-gemini/gemini-for-google-workspace-faq-business

- DSGVO, Art. 5 – Grundsätze für die Verarbeitung personenbezogener Daten  
  https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2016/679/

**Stand der produktbezogenen Hinweise:** 09.10.2026. Datenschutz-, Speicher- und Trainingsbedingungen können sich ändern und müssen vor einem konkreten Einsatz erneut geprüft werden.
