# KI, Arbeit und Berufe – Ersetzen, ergänzen, neu erfinden

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> **Kernsatz:** KI ersetzt zunächst Aufgaben, nicht automatisch ganze Berufe. Ob daraus Entlastung, neue Arbeit oder Stellenabbau entsteht, hängt von vielen Bedingungen ab.

<!-- IMAGE W03-A: Beruf besteht aus Aufgaben – nicht nur aus KI-fähigen Routinen -->

## 1. Das Missverständnis »Ein Beruf verschwindet«

Ein Lehrer arbeitet nicht nur mit Texten: Er unterrichtet, beobachtet, motiviert, beurteilt, gestaltet Beziehungen und übernimmt Verantwortung. Eine Gutachterin sammelt nicht nur Informationen, sondern prüft Daten, bewertet Situationen und steht für fachliche Aussagen ein. Für viele Berufe lässt sich fragen: *Welche Teilaufgaben sind standardisierbar – und was bleibt menschlich, rechtlich oder materiell gebunden?*

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzte 2025, dass weltweit etwa **ein Viertel der Beschäftigten** in Berufen mit zumindest einer gewissen Exposition gegenüber generativer KI arbeitet. Die ILO betont, dass Berufsumgestaltung häufiger zu erwarten ist als die vollständige Ersetzung. Exposition bedeutet weder tatsächliche Nutzung noch Arbeitsplatzverlust.

## 2. Vier gleichzeitig wirkende Effekte

<!-- IMAGE W03-B: Vier-Wirkungen-Modell zu Arbeit -->

**Verdrängung:** Bei gleichem Output werden für bestimmte Tätigkeiten weniger Arbeitsstunden gebraucht.  
**Ergänzung:** Beschäftigte können bessere oder zusätzliche Leistungen anbieten.  
**Neue Aufgaben:** Es entstehen neue Prozesse, Prüf- und Entwicklungsaufgaben oder völlig neue Dienstleistungen.  
**Anpassung:** Weiterbildung, organisatorischer Umbau, Arbeitsplatzwechsel und Arbeitszeitgestaltung werden notwendig.

Der ökonomische Ansatz von Acemoglu und Restrepo unterscheidet Verdrängung und die Rückkehr menschlicher Nachfrage durch neue Aufgaben. Er erklärt, warum nicht jede Automatisierung in einer gleich großen Veränderung der Beschäftigung resultiert.

## 3. Was zeigen Befragungen – und was nicht?

In einer OECD-Befragung von mehr als 5.000 kleinen und mittleren Unternehmen aus sieben Ländern gaben **83 % der KI-nutzenden KMU** an, dass generative KI ihren gesamten Personalbedarf bisher nicht verändert hatte. Rund 9 % meldeten geringeren und 6 % höheren Personalbedarf. Diese Werte betreffen eine bestimmte Erhebung und beschreiben keine globale Prognose.

## 4. Soziale Risiken

Menschen tragen unterschiedliche Lasten: Einsteiger können weniger Lern- und Einstiegsaufgaben finden; Fachkräfte müssen neue Prüfkompetenzen entwickeln; Arbeitsintensität kann trotz Automatisierung wachsen; Berufswechsel sind nicht für jeden gleich leicht. Auch Geschlecht, Alter, Branche und Region beeinflussen die Betroffenheit. Weiterbildung allein reicht nicht, wenn es vor Ort keine passenden Stellen gibt.

## 5. Gute Arbeit gestalten

Sinnvolle Maßnahmen sind betriebliche Mitgestaltung, bezahlte Qualifizierung, klare Verantwortung, realistische Qualitätsmaßstäbe, Mobilitätshilfen und soziale Sicherung. Höhere Produktivität kann außerdem bewusst in kürzere Arbeitszeiten oder mehr Zeit für Menschen investiert werden.

**Frage:** Wo entlastet KI die Arbeit wirklich, und wo erzeugt sie nur neue Leistungserwartungen?
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## Quellen und Literatur

- ILO (2025), *Generative AI and Jobs – A 2025 Update*: https://www.ilo.org/publications/generative-ai-and-jobs-2025-update
- OECD (2025), *Generative AI and the SME Workforce*: https://www.oecd.org/en/publications/generative-ai-and-the-sme-workforce_2d08b99d-en.html
- Acemoglu / Restrepo (2019), *Automation and New Tasks*, Journal of Economic Perspectives: https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/jep.33.2.3

**Redaktionsstand:** 08.10.2026. Befunde beschreiben bestimmte Zeiträume, Länder und Stichproben; sie sind keine sicheren Vorhersagen.
