Aufwachen
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(am Morgen zu singen)
Leben tanze Deinen Tanz,
aus der Mitte, aus der Quelle!
Erfasse tanzend alles ganz,
reiß’ uns von der Stelle.
Wirble uns im Tag umher,
verbiete uns zu klagen.
Versenke uns im Träumemeer,
überschütte uns mit Fragen.
Wecke unsre Sinne auf,
atmen lass uns wilder.
Berausche der Gedanken Lauf,
übermal' die Flut der Bilder.
Lass uns spüren unser Sein,
lass uns nicht so bleiben.
Wasch' das Fühlen wieder rein,
den Unsinn hilf uns - HEILEN.
Quelle: Kolibri-Ethos – Poesie: Leben, „Aufwachen“
Erste Lesart
Das Gedicht versteht Aufwachen nicht nur als Übergang vom Schlaf in den Tag. Bewegung, Sinne, Gedanken und Fragen werden zu Kräften, die einen Menschen aus der bloßen Ruhe herausrufen. Der neue Tag erscheint nicht fertig geordnet; er will ertanzt, erlauscht und mitgestaltet werden.
Dabei verbindet der Text Leichtigkeit mit einer ernsteren Hoffnung auf Heilung. Gerade dieser Übergang ist offen: Heilt das Erwachen den „Unsinn“, oder hilft erst die gemeinsame Hinwendung zum Leben dabei? Die ungewöhnliche Formulierung lädt zu einer genaueren Prüfung ein.
Fragen an das Gedicht
- Ist „am Morgen zu singen“ als tatsächliches Lied gedacht – gibt es eine Melodie oder einen Refrain?
- Soll die Schlussformulierung mit ihrer jetzigen Zeichensetzung und Wortstellung erhalten bleiben?
- Welche Rolle spielen Tanz und Bewegung für das ethische Motiv des Aufwachens?
Die Textfassung folgt der angegebenen Quelle. Angaben zur Bildentstehung und zu Nutzungsrechten sind bei einer Weiterverwendung der Bilder zu prüfen.
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