KI-Ethos Mensch und KI
im Gespräch über ein gutes Leben
denken · prüfen · begegnen · gestalten

KE KI-Ethos – Wirklichkeit, Werte, Regeln und Wirkungen

Seitenstatus: Freigegeben Diese Fassung wurde durch Hans Hufnagel geprüft und freigegeben.

KE KI-Ethos → Einführung

KE KI-Ethos ist der konkrete KI-Ethos-Entwurf dieser Website. In seiner Grundstruktur aus Grundbegriffen und Regeln ist er mit dem Kolibriethos verwandt. KE verweist auf diese Verwandtschaft. Der Entwurf wird gemeinsam mit KI ausgearbeitet und weiterentwickelt.

Das KE KI-Ethos bietet Orientierung für ethische Fragen im Alltag und in der Zusammenarbeit von Mensch und KI. Es verbindet das Verstehen einer Situation mit Grundwerten, Regeln für verantwortliches Handeln und der Prüfung seiner Folgen.

Wirklichkeit → Werte → Regeln → Wirkungen → neue Wirklichkeit

Wo möchten Sie beginnen?

Eine Entscheidung prüfen

Sie stehen vor einer Entscheidung? Untersuchen Sie Ihre Situation Schritt für Schritt mit dem Prüfweg.

Zum gemeinsamen Prüfweg →

Zum Vertiefen: Werte in Spannung · Alle 15 Grundwerte

  • 1. Wirklichkeit – Was geschieht, wer ist betroffen und was hängt miteinander zusammen?
  • 2. Werte – Was wollen wir schützen, verbinden und entfalten?
  • 3. Regeln – Wie können wir verantwortlich entscheiden und handeln?
  • 4. Wirkungen – Was hat unser Handeln bewirkt und was lernen wir daraus?

Die Entstehung dieser Fassung erklärt die Erweiterung auf 15 Grundwerte und den Vergleich mit dem Kolibriethos. Die bisherige Fassung mit zehn Grundbegriffen bleibt auf einer eigenen Seite verfügbar.

Der Kreislauf des KE KI-Ethos mit Wirklichkeit, Grundwerten, Grundregeln und Wirkungsprüfung

Wirklichkeit verstehen – Werte achten – verantwortlich handeln – aus Wirkungen lernen. Bildtexte übersetzen.

Die Grafik zeigt den Lernkreislauf und alle 15 Grundwerte. „Gemeinsam verantwortlich gestalten“ bedeutet hier: KI unterstützt die Arbeit; Entscheidung und Verantwortung bleiben bei Menschen und ihren Institutionen. Die vollständige Textfassung folgt unterhalb.

Ethik als Weg von der Wirklichkeit zum verantwortlichen Handeln

Ethik besteht nicht nur aus guten Werten und Regeln. Bevor wir urteilen und handeln, müssen wir verstehen, was wirklich geschieht. Wir müssen erkennen, welche Menschen, Lebewesen, Beziehungen und Folgen betroffen sind. Wir müssen Werte auf konkrete Situationen beziehen und verschiedene berechtigte Anliegen gegeneinander abwägen.

Und nach einer Entscheidung ist die ethische Aufgabe noch nicht beendet. Wir müssen beobachten, was unser Handeln tatsächlich bewirkt, aus Erfolgen und Fehlern lernen und gegebenenfalls neu entscheiden.

Das KE KI-Ethos gliedert sich deshalb in vier miteinander verbundene Bereiche:

1. Wirklichkeit – 2. Werte – 3. Regeln – 4. Wirkungen

Oder als Bewegung:

Wirklichkeit wahrnehmen → Werte erkennen → verantwortlich handeln → Wirkungen prüfen und lernen

Diese vier Bereiche bilden keinen starren Ablauf. Das Prüfen der Wirkungen verändert unser Verständnis der Wirklichkeit; daraus entsteht ein Lernkreislauf:

Wirklichkeit → Werte → Regeln → Wirkungen → neue Wirklichkeit


1. Wirklichkeit

Ethik beginnt mit dem Wahrnehmen

Eine Ethik, die die Wirklichkeit nicht versteht, kann trotz guter Absichten falsche Entscheidungen treffen.

Deshalb beginnt das KE KI-Ethos nicht mit Geboten, sondern mit Fragen:

  • Was ist hier eigentlich der Fall?
  • Was wissen wir?
  • Was wissen wir nicht?
  • Wer ist betroffen?
  • Welche Beziehungen und Abhängigkeiten bestehen?
  • Welche unterschiedlichen Sichtweisen gibt es?

Vier Begriffe helfen dabei, die Wirklichkeit und ihre Veränderung genauer zu erfassen:

Situation

Jede ethische Entscheidung geschieht in einer konkreten Situation.

Die gleiche Regel kann in unterschiedlichen Situationen etwas anderes bedeuten. „Schütze das Leben“ kann etwa bedeuten, einen Menschen vor unmittelbarer Gefahr zu retten, eine Krankheit zu behandeln, eine Umweltbelastung zu verhindern, einem Menschen genügend Freiheit für ein selbstbestimmtes Leben zu lassen oder zukünftige Lebensgrundlagen zu erhalten.

Deshalb muss gefragt werden:

Was ist hier und jetzt die konkrete Situation?

Netz

Kein Mensch und keine Handlung steht für sich allein. Wir leben in Netzen: Beziehungen, Familien, Gemeinschaften, Institutionen, Gesellschaften, Ökosystemen, wirtschaftlichen Strukturen, technischen Systemen, Informationsnetzen und historischen Entwicklungen.

Eine Entscheidung kann an einer Stelle helfen und an einer anderen Schaden verursachen.

Ethisches Denken fragt deshalb:

  • Wer und was ist miteinander verbunden?
  • Welche Wechselwirkungen gibt es?
  • Wer trägt Nutzen, Lasten und Risiken?
  • Welche Fernwirkungen entstehen?

Auslegung

Werte und Regeln wenden sich nicht selbst an. Menschen müssen sie verstehen, deuten und auf konkrete Situationen beziehen.

Was bedeutet beispielsweise gerecht, frei, wahrhaftig, verantwortlich oder menschenwürdig in einer bestimmten Situation?

Auslegung bedeutet nicht Beliebigkeit. Sie verlangt genaues Wahrnehmen, Wissen, Erfahrung, Perspektivwechsel, Argumente, Kritik, Gespräch und Selbstkorrektur.

Auch KI kann bei dieser Auslegung helfen, indem sie Perspektiven, Zusammenhänge und mögliche Folgen sichtbar macht. Die Verantwortung für ethische Entscheidungen darf dadurch jedoch nicht einfach an KI abgegeben werden.

Folgen

Schon beim Verstehen einer Situation fragen wir nach den Folgen des bisherigen Handelns und nach möglichen Folgen unserer nächsten Entscheidung. Dazu gehören Nutzen, Schaden, Nebenwirkungen und Veränderungen im Beziehungsnetz – für unmittelbar Betroffene ebenso wie für andere Menschen, Lebewesen und künftige Generationen.

Welche Folgen sind bereits sichtbar, welche erwarten wir und was bleibt unsicher?

Erwartete Folgen sind zunächst begründete Vermutungen. Im vierten Bereich, Wirkungen, prüfen wir nach dem Handeln, was tatsächlich eingetreten ist. Diese Unterscheidung hält die Entscheidung offen für Erfahrung und Korrektur.

Grenzen unserer Wirklichkeitserkenntnis

Wir sehen niemals alles. Unsere Wahrnehmung wird beeinflusst durch Erfahrungen, Interessen, Gefühle, Sprache, kulturelle Prägungen, Machtverhältnisse, Medien, vorhandenes Wissen, Vorurteile und Algorithmen.

Auch KI kennt Wirklichkeit nicht unmittelbar. Sie arbeitet mit Daten, Modellen und Interpretationen.

Deshalb gehört zur Ethik auch die Fähigkeit zu sagen:

Ich weiß es nicht. Ich könnte mich irren. Wir brauchen weitere Informationen. Wir sollten andere Perspektiven hören.



2. Werte – Grundwerte

Was soll geschützt, gefördert und entfaltet werden?

Nachdem wir die Wirklichkeit möglichst sorgfältig wahrgenommen haben, stellt sich die Frage: Was ist uns darin wichtig?

Die bisherigen zehn Grundbegriffe werden als Grundwerte weitergeführt und auf 15 Grundwerte in drei Gruppen erweitert. Menschlichkeit, Solidarität, Versöhnung, Weisheit und Achtsamkeit treten ausdrücklich hinzu; Wahrheit schließt die bisherige Wahrhaftigkeit ein, Grenzen führen den bisherigen Begriff Grenze weiter.

Schutzwerte

Würde – Leben – Freiheit – Gerechtigkeit – Grenzen

Beziehungswerte

Mitgefühl – Begegnung – Menschlichkeit – Solidarität – Versöhnung

Entwicklungswerte

Wahrheit – Verantwortung – Entfaltung – Weisheit – Achtsamkeit

Die drei Gruppen bilden ein Netz: Schützen – Verbinden – Entfalten. Kein Wert wird allein auf die ihm zugeordnete Gruppe beschränkt. Die vollständige zugängliche Textfassung mit allen 15 Werten steht auf der Seite 15 Grundwerte in drei Gruppen.

Warum diese Werte – und wer gewichtet sie?

Das KE KI-Ethos bietet seine Werte als begründeten und überprüfbaren Orientierungsrahmen an. Jeder Mensch entscheidet mit, welche Bedeutung sie für sein Leben haben. Wo Entscheidungen andere betreffen, gehören deren Erfahrungen, Schutzinteressen und Möglichkeiten zum Widerspruch in die Begründung. Die Vernetzung zeigt, wie Werte einander stärken, begrenzen und voraussetzen. Einen letzten Beweis, der alle Menschen auf dieselbe Gewichtung verpflichtet, beansprucht das Ethos nicht. Warum diese Werte? – Begründung und Offenheit.

Grundwerte stehen nicht isoliert nebeneinander

Ein einzelner Wert kann nicht einfach absolut gesetzt werden.

Kein Grundwert darf allein herrschen.

Werte können sich gegenseitig ergänzen, begrenzen, korrigieren, schützen und verstärken. Das Zusammenspiel aller 15 Grundwerte erläutert diese Verbindungen und ihre Spannungen.

Spannungen zwischen Grundwerten

Echte ethische Probleme entstehen häufig dort, wo mehrere wichtige Werte gleichzeitig betroffen sind:

  • Freiheit ↔ Schutz – Eine Überwachung kann Sicherheit erhöhen und zugleich Freiheit und Privatsphäre einschränken.
  • Wahrheit ↔ Mitgefühl – Eine Wahrheit kann wichtig sein und trotzdem unnötig verletzend vermittelt werden.
  • Selbstbestimmung ↔ Fürsorge – Wann müssen wir die Entscheidung eines Menschen respektieren, und wann besteht eine besondere Schutzpflicht?
  • Gerechtigkeit ↔ Barmherzigkeit – Gleiche Regeln können gerecht erscheinen und trotzdem besonderen Lebenssituationen nicht gerecht werden.
  • Individuum ↔ Gemeinschaft – Persönliche Freiheit kann Auswirkungen auf andere Menschen haben.
  • Gegenwart ↔ Zukunft – Was heute bequem und wirtschaftlich attraktiv ist, kann kommenden Generationen schwere Lasten hinterlassen.

Ethik bedeutet nicht, diese Spannungen vollständig zu beseitigen. Ethische Reife besteht darin, berechtigte Werte wahrzunehmen, ihre Bedeutung zu verstehen, Spannungen auszuhalten, Argumente gegeneinander abzuwägen und eine möglichst verantwortbare Entscheidung zu treffen.


3. Regeln – Grundregeln

Von Werten zum Handeln

Grundwerte beschreiben, was uns wichtig ist. Grundregeln versuchen daraus Orientierung für das Handeln zu gewinnen.

Sie dürfen jedoch niemals unabhängig von Situation, Netz, Auslegung und den anderen Grundwerten angewendet werden.

Eine Regel wie „Schütze das Leben!“ ist deshalb kein Automatismus. Wir müssen fragen:

  • Welches Leben?
  • Vor welcher Gefahr?
  • Mit welchen Mitteln?
  • Welche anderen Werte werden berührt?
  • Welche Freiheit wird eingeschränkt?
  • Welche Nebenwirkungen entstehen?
  • Wer entscheidet?
  • Wer trägt die Folgen?

Regeln brauchen Abwägung

Zwischen Grundwerten und konkretem Handeln liegt ein wichtiger Schritt:

  1. wahrnehmen – Was geschieht tatsächlich?
  2. verstehen – Welche Zusammenhänge und Interessen bestehen?
  3. auslegen – Was bedeuten die betroffenen Werte in dieser Situation?
  4. abwägen – Welche Werte unterstützen oder begrenzen einander?
  5. begrenzen – Welche Eingriffe und Belastungen sind wirklich notwendig?
  6. ermöglichen – Welche Lösung schützt nicht nur vor Schaden, sondern eröffnet Entwicklung?
  7. entscheiden und handeln – Welche Handlung erscheint unter diesen Bedingungen am verantwortbarsten?

Keine mechanische Moralmaschine

Das KE KI-Ethos soll keine Maschine sein, in die man ein Problem eingibt und aus der automatisch die moralisch richtige Antwort herauskommt.

Gerade komplexe Situationen können mehrere verantwortbare Lösungen zulassen. Andere bleiben tragische Konflikte, bei denen jede Entscheidung Nachteile oder Schäden mit sich bringt.

Ethik bedeutet dann: begründet entscheiden und Verantwortung übernehmen.

KI kann Argumente analysieren, Folgen abschätzen, widersprüchliche Perspektiven sichtbar machen und blinde Flecken aufzeigen. Sie darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass moralische Verantwortung nicht einfach berechnet werden kann.

Zehn Grundregeln

  1. Achte jeden Menschen als Menschen. Reduziere niemanden auf Herkunft, Rolle, Fehler, Krankheit, Meinung, Nutzen oder Leistung.
  2. Schütze Leben und vermindere vermeidbares Leid. Greife ein, wenn Menschen gefährdet, misshandelt oder ihrer elementaren Lebensmöglichkeiten beraubt werden.
  3. Lass Menschen frei – und schütze ihre Freiheit. Zwinge andere nicht unnötig zu deinem Lebensentwurf, Glauben oder deiner Weltanschauung.
  4. Suche die Wahrheit und bleibe korrigierbar. Prüfe Behauptungen und unterscheide Wissen, Vermutung, Erfahrung und Meinung.
  5. Handle gerecht – besonders bei ungleicher Macht. Prüfe Regeln auch aus der Perspektive der Schwächeren, Abhängigen und Nichtgehörten.
  6. Versuche zu verstehen, bevor du urteilst. Frage nach Geschichte, Situation und Beweggründen, ohne schädliches Verhalten zu entschuldigen.
  7. Übernimm Verantwortung für die Folgen deines Handelns. Gute Absichten allein genügen nicht.
  8. Behandle Konflikte so, dass Beziehung wieder möglich werden kann. Sprich klar, höre zu, setze Grenzen und suche verantwortbaren Ausgleich.
  9. Begrenze Macht – auch deine eigene. Ermögliche Kontrolle, Widerspruch und Schutzräume.
  10. Hilf dem Leben zu wachsen. Eine menschliche Welt soll Bildung, Freundschaft, Kreativität, Sinn, Freude und Entwicklung ermöglichen.

Die zehn Regeln bleiben konkrete Orientierung im erweiterten Kreislauf. Wie sie zusammenwirken, zeigt das Zusammenspiel der 15 Grundwerte. Der gemeinsame Prüfweg vertieft die Anwendung im Alltag; die Schutzklausel schützt vor ethischem Druck und ungefragter Bevormundung.



4. Wirkungen

Ethik zeigt sich auch an ihren Wirkungen

Eine gut gemeinte Handlung ist nicht automatisch eine gute Handlung. Deshalb muss nach dem Handeln gefragt werden: Was ist tatsächlich geschehen?

Ethischer Erfolg ist umfassender als bloße Zielerreichung. Wir müssen fragen:

  • Wurde Leben geschützt?
  • Wurde Würde bewahrt?
  • Wurde Freiheit unnötig eingeschränkt?
  • Wurde Gerechtigkeit verbessert?
  • Wurden Beziehungen gestärkt oder beschädigt?
  • Sind neue Abhängigkeiten entstanden?
  • Wer trägt die Kosten?
  • Welche Nebenwirkungen wurden übersehen?
  • Welche langfristigen Folgen entstehen?
  • Haben Menschen neue Möglichkeiten zur Entfaltung bekommen?

Beabsichtigte und unbeabsichtigte Folgen

Eine verantwortliche Ethik unterscheidet zwischen:

  • Absicht – Was wollten wir erreichen?
  • Handlung – Was haben wir tatsächlich getan?
  • Wirkung – Was ist tatsächlich geschehen?
  • Nebenwirkung – Was ist zusätzlich entstanden?
  • Langzeitwirkung – Was entwickelt sich daraus später?

Erfolg und Scheitern

Auch eine ethisch sorgfältig begründete Entscheidung kann scheitern. Das macht sie nicht automatisch moralisch falsch.

Umgekehrt kann eine problematische Handlung kurzfristig erfolgreich erscheinen.

Deshalb darf ethischer Erfolg nicht nur am Ergebnis gemessen werden. Zu prüfen sind immer gemeinsam:

Motive – Verfahren – Werte – Handlung – Folgen.

Lernen und Korrigieren

Ethik braucht Fehlerfreundlichkeit. Wenn Folgen anders ausfallen als erwartet, sollte gefragt werden:

  • Was haben wir übersehen?
  • War unsere Wahrnehmung unvollständig?
  • Haben wir das Netz falsch verstanden?
  • War unsere Auslegung zu eng?
  • Haben wir Werte falsch gewichtet?
  • Welche Regel oder Anwendung müssen wir verändern?

Damit führt der vierte Bereich wieder zum ersten zurück. Die Seite Korrektur und Wiedergutmachung vertieft den Umgang mit bereits eingetretenem Schaden.


Der Kreislauf des KE KI-Ethos

1. Wirklichkeit – Was ist?

Situation – Netz – Auslegen – Folgen – Perspektiven – Wissen – Unsicherheit

↓

2. Werte – Was ist wichtig?

Schutz: Würde – Leben – Freiheit – Gerechtigkeit – Grenzen

Beziehung: Mitgefühl – Begegnung – Menschlichkeit – Solidarität – Versöhnung

Entwicklung: Wahrheit – Verantwortung – Entfaltung – Weisheit – Achtsamkeit

Wo ergänzen, begrenzen oder widersprechen sich Werte?

↓

3. Regeln – Wie sollen wir handeln?

Wahrnehmen – verstehen – auslegen – abwägen – begrenzen – ermöglichen – entscheiden – handeln

↓

4. Wirkungen – Was haben wir bewirkt?

Wirkungen – Nebenwirkungen – Erfolg – Schaden – Lernen – Korrektur

↓

Neue Wirklichkeit

Jede Handlung verändert die Situation. Deshalb beginnt der ethische Prozess erneut.


Eine kurze Formel

Sieh die Wirklichkeit.
Achte die Werte.
Handle verantwortlich.
Prüfe die Wirkungen.
Lerne und beginne neu.

Oder ausführlicher:

Eine verantwortliche Ethik versucht zuerst, die Wirklichkeit in ihren Situationen, Beziehungen und Deutungen zu verstehen. Sie orientiert sich an Grundwerten, bringt diese auch dort miteinander ins Gespräch, wo sie in Spannung geraten, entwickelt daraus verantwortbare Regeln des Handelns und prüft anschließend ehrlich deren tatsächliche Wirkungen. Aus den Folgen lernt sie für die nächste Situation.

Wie die neue Fassung entstand

Die Überarbeitung entstand aus zwei Anstößen. Eine Google-KI kritisierte die bisherige Werteliste als zu stark westlich geprägt: Wichtige Werte anderer Kulturen und ethischer Traditionen seien darin nicht ausdrücklich genug vertreten. Diese Kritik wurde zum Anlass, die Auswahl zu erweitern und ihre kulturellen Bezugspunkte bewusster zu betrachten. So treten Menschlichkeit, Solidarität, Versöhnung, Weisheit und Achtsamkeit zu den bisherigen Werten hinzu. Die neue Liste ist ein Vorschlag für kulturübergreifende Verständigung; sie setzt die verschiedenen Traditionen nicht gleich.

Der zweite Anstoß war der Vergleich mit dem Kolibriethos. Dessen Begriffe Situation, Netz und Auslegen helfen, die Wirklichkeit genauer zu erfassen, auf die sich ethische Urteile beziehen. Sie wurden um Folgen ergänzt: Ethisches Denken soll sowohl mögliche Folgen einer Entscheidung als auch die tatsächlichen Folgen des Handelns beachten. Aus der Verbindung dieser Perspektive mit Werten und Regeln entstand die Reihe Wirklichkeit – Werte – Regeln – Wirkungen.

Der Ausgangsentwurf mit zehn Grundbegriffen und zehn Grundregeln stammt von ChatGPT Sol (Stufe High). Die neue Fassung entwickelt ihn weiter und bewahrt die vorhandenen Vertiefungen und Handlungsregeln.

Verbindung zum Kolibriethos

Das Kolibriethos hat mit den Grundbegriffen Situation – Grenzen – Netz – Begegnung – Auslegen bereits deutlich gemacht, dass ethische Regeln niemals isoliert verstanden werden können.

Das KE KI-Ethos greift besonders die Begriffe Situation – Netz – Auslegen auf, ergänzt sie um Folgen und verbindet die Wahrnehmung am Anfang mit der Wirkungsprüfung am Ende des ethischen Prozesses.

Dabei bleibt ein wichtiger Unterschied: Die Begriffe der Wirklichkeit sagen zunächst nicht, was gut ist. Sie helfen uns zu verstehen, worauf sich unser ethisches Urteil überhaupt bezieht.

Erst danach kommen die Grundwerte und aus ihnen die Grundregeln.

So entsteht eine Ethik, die nicht nur sagt: „Handle gut!“, sondern fragt:

Was geschieht? Was hängt womit zusammen? Wie verstehen wir es? Was ist schützenswert? Welche Werte stehen miteinander in Spannung? Wie können wir verantwortlich handeln? Und was hat unser Handeln tatsächlich bewirkt?


Frühere Ergänzung: Ethos von Mai 2025

Die von Hans ergänzte frühere Fassung und sein Kommentar bleiben hier als historische Bezugspunkte erhalten. Die vollständige bisherige zentrale Seite steht zusätzlich im Archiv.

Ethik der Menschlichkeit – In 5 Grundbegriffen und 5 Grundregeln (Autor ChatGPT im MAI 2025)

Grundbegriffe:

1. Würde – Jeder Mensch hat einen inneren Wert, der nicht verloren gehen kann. Niemand ist „mehr“ oder „weniger“ wert als ein anderer.
2. Mitgefühl – Die Fähigkeit, das Leiden und die Freude anderer zu erkennen und darauf mit Herz zu reagieren.
3. Vergebung – Die Bereitschaft, Fehler zu erkennen, zu vergeben und neu anzufangen – mit sich selbst und anderen.
4. Verantwortung – Freiheit bedeutet nicht Beliebigkeit, sondern die Verantwortung für das eigene Handeln gegenüber sich, anderen und der Welt.
5. Grenzen – Jeder Mensch braucht Raum, Respekt und Schutz – auch vor sich selbst oder vor anderen. Auch gutes Wollen darf keine Gewalt werden.

Die 5 Grundregeln:

1. Handle aus Mitgefühl, nicht aus Hass.
– Erkenne das Leid anderer und versuche, es nicht zu vergrößern. Auch im Streit: Wähle das Wort, das heilt, nicht das, das zerstört.

2. Erkenne deine Schwächen und arbeite an deinem Wachstum.
– Niemand ist perfekt. Stärke bedeutet, sich seinen Fehlern zu stellen und sich zu entwickeln – nicht, immer recht zu haben.

3. Respektiere das Leben, die Freiheit und die Grenzen anderer.
– Was du für dich forderst (Sicherheit, Liebe, Respekt), gestehe auch jedem anderen zu – unabhängig von Herkunft, Meinung oder Lebensform.

4. Teile, wenn du hast – bitte, wenn du brauchst.
– Wir sind voneinander abhängig. Es ist keine Schwäche, Hilfe zu brauchen. Es ist Größe, zu geben, ohne sich zu erhöhen.

5. Vergib, aber lerne. Handle, aber verurteile nicht.
– Menschen machen Fehler. Auch du. Vergib anderen, damit du selbst frei wirst. Doch aus dem Vergangenen soll Weisheit wachsen, nicht Groll.

Diese Ethik ist offen für Menschen aller Kulturen, Glaubensrichtungen und Lebenslagen. Sie verlangt keine Vollkommenheit – nur die ehrliche Bereitschaft, sich dem Guten zuzuwenden, trotz der eigenen Widersprüche.


Warum diese Werte? · Drei Praxisfälle · Alle 15 Grundwerte · Bisherige Fassung · KiEthos-Übersicht

<< | KiEthos.Navigation | KE KI-Ethos kurz erklärt >>