KI-Ethos Ethik, Bildung und transparente Zusammenarbeit von Mensch und KI

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Beispiel f�r ethische Modelle und Entw�rfe:

Ruth Lapide - Weltethos auf Sparflamme ein Basisethos der j�dischen Historikerin und Religionswissenschaftlerin Ruth Lapide.
(Quelle: "Ist ein Ethos der Religionen m�glich?")
Logos, Ethos, Pathos und Kairos als Grunddimensionen ethischen Handelns
Die Liebesvorstellungen der Antike als Orientierung und Ansto�
Prof. Dr. Hans K�ngs Weltethos als gro�er Bruder des kleinen Kolibri-Ethos
Allgemeine Erkl�rung der Menschenpflichten
Spielstrategien und die Ethik des Miteinanders
Das Paretoprinzip (80/20 Regel)
Die Visionen und Werte der Tempelhof-Gemeinschaft


Weltethos und Kolibri-Ethos

Das Kolibri-Ethos teilt die Grund�berzeugungen des Weltethos-Projekts:
(zitiert nach Wikipedia: Grund�berzeugungen des Weltethos:)

  • Kein Zusammenleben auf unserem Globus ohne ein globales Ethos
  • Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen
  • Kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen
  • Kein Dialog zwischen den Religionen und Kulturen ohne Grundlagenforschung
  • Kein globales Ethos ohne Bewusstseinswandel von Religi�sen und Nicht-Religi�sen

Das Kolibri-Ethos ist eine Auslegung der vier Leits�tze der Erkl�rung zum Weltethos von 1993 in Chicago.
Dort trafen sich Vertreter vieler verschiedener Religionen, um ein Regelwerk zusammenzustellen,
das die Menschenrechtserkl�rung von 1948 ethisch begr�nden sollte.

  • Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben
  • Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarit�t und eine gerechte Wirtschaftsordnung
  • Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit
  • Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau

Die Grundforderung lautet: Jeder Mensch muss menschlich behandelt werden!


Die Kritik am Weltethos

Bei Wikipedia werden drei Kritikpunkte am Weltethosprojekt zusammengefasst:
"Es wird bem�ngelt, das Projekt Weltethos entstamme (wie auch die Menschenrechtserkl�rung der Vereinten Nationen) westlich-christlichem Denken und sei daher nur der Ausdruck fortgesetzter Dominanz der abendl�ndischen Kultur gegen�ber anderen Kulturkreisen.

Des Weiteren wird die zentrale Rolle des Humanum in der Erkl�rung zum Weltethos kritisiert, das in vielen Religionen gar nicht entscheidend sei; so sei beispielsweise das Christentum eine Religion der Nachfolge Jesu, der Islam das System einer nicht-anthropozentrischen Theonomie schlechthin und der Hinduismus das leuchtende Beispiel einer Religion, in der es a priori keine Gleichrangigkeit unter den Menschen gibt.

Andere kritische Stimmen bef�rchten, dass durch die St�rkung eines weltweiten Ethos die einzelnen Religionen an R�ckhalt verlieren und somit auch �echtes�, gewachsenes und kulturspezifisches geistiges Gut dem Untergang preisgegeben sei. Schlie�lich kann man am Projekt Weltethos mit einiger Berechtigung die Unterrepr�sentanz indigener V�lker und deren Weltsicht diagnostizieren: So finden etwa Landrechte, die f�r schriftlose Ethnien verschiedener Kontinente einen unverzichtbaren Bestandteil ihres Weltbildes und ihrer W�rde als Menschen darstellen, in der Erkl�rung zum Weltethos keinen Widerhall."
In einer weiteren dort aufgef�hrten Arbeit wird besonders die Dialogf�higkeit des Weltethos-Ansatzes kritisiert und eine grunds�tzliche Intoleranz im Dialogansatz nachgewiesen: (Siehe: Intolerante Toleranz - K�ngs Weltethos von Dr. Heinzpeter Hempelmann und weitere Schriften ebenda)

Alle diese Kritikpunkte lassen sich auch auf das Kolibri-Ethos �bertragen und durch weitere erg�nzen.
Daher ist eine entsprechende Auseinandersetzung auch f�r das Kolibri-Ethos wichtig und hilfreich!

Zu 1:) "Ausdruck fortgesetzter Dominanz der abendl�ndischen Kultur gegen�ber anderen Kulturkreisen"
Nat�rlich ist das Kolibri-Ethos nicht kulturlos, nicht sprachlos, nicht geschichtslos. Es zeigt offen seine Wurzeln in der deutschen Sprache, im abendl�ndischen Denken, in der "modernen" Zeit, ...
Daher ist es nicht so einfach zu �bersetzen oder in einem anderen Kulturkreis anzuwenden. Als L�sung kann man inspiriert vom Kolibri-Ethos entsprechende Verdichtungen ethischer Wegweiser und "Rechtleitungen" f�r andere Sprachen und Kulturkreise verfassen. Ebenso kann man das Kolibri-Ethos um wenige Regeln, Grundbegriffe oder Hinweise erg�nzen, um in anderen Kulturen wichtige Themen explizit einzuschlie�en. Es ist offen f�r Erweiterungen oder f�r einen Dialog verschiedener ethischer Verdichtungen. Wichtig ist jedoch, dass dieser Dialog gef�hrt wird und jeder seine Verdichtung, seine Erweiterung und seine Auslegung zur Diskussion stellt und zeigt, wie sie sich in der Realit�t bew�hrt. Der Dominanz der "abendl�ndischen Kultur", so es diese noch so gibt, kann einerseits ein Kennenlernen und Verstehen anderer Denkwelten und Weltvorstellungen gegen�ber gestellt werden. Begegnung meint genau dieses: Ein mich infragestellendes, mich ver�nderndes Erkennen des Anderen, das von mir auch einen diskutierbaren Standpunkt und Standfestigkeit erwartet.
Die Dominanz der "abendl�ndischen Kultur" �u�ert sich allerdings mehr in Wirtschafts-, Macht- und Medienstrukturen. Diese sind nur langsam zu ver�ndern und �ndern sich nicht immer zum Positiven. Vielleicht kann man hier ein weltweites Netz der kleinen Leute (siehe Organisation) diesen M�chten gegen�berstellen, das wie ein Nervensystem schnell erkennt, wie und wo Macht zur Zerst�rung, zu Kriegen und Unterdr�ckung f�hrt.

Zu 2:) "die zentrale Rolle des Humanum"
Der Mensch kann sein Menschsein nicht verleugnen und ablegen, auch wenn Religionen ihre menschliche Seite gerne verstecken und gerne nur reine klare Offenbarungen, heilige eifrige Nachfolger oder sich willig einordnende Gl�ubige h�tten. Bereits der Dualismus von wahr und falsch ist eine Verzerrung der Wirklichkeit. Jede Religion ist in sich fehlerhaft, widerspr�chlich, traditionsgebunden, menschlich, vieldeutig, zerstritten, ...
Verbesserungsbed�rftig sind daher alle Religionen und all unsere Ethik, unser ethisches Handeln, Auslegen und Bewusst-Sein. Daher gibt es auch das reine g�ttliche klare �berzeitliche einfach zu realisierende gemeinsame weltweite Humanum nicht.
Wir k�nnen nur von unseren schrecklichen Fehlern heute und unseren immensen Problemen ausgehen und ein Humanum als hilfreiches Ideal suchen, dass uns menschlicher macht in unserem F�hlen, Planen und Handeln.
Liebe, Heiliges, Selbstverwirklichung, Gemeinschaft, Leben, ... und viele andere grundlegenden Begriffe der Menschheit werden je nach Kultur, Zeit und Religion anders auch widerspr�chlich gef�llt. Jeder ist aufgerufen seine Auslegung zu verbessern, damit sie ehrlicher, klarer, lebbarer und menschlicher wird und nicht dieser Welt und ihrer Zukunft schadet.

3.) Kann das Kolibri-Ethos zur Kulturzerst�rung �ber die Entmachtung von Religionen f�hren?
Es ist wirklich die Frage, ob es den Gegensatz Ethik und Religion so gibt. Jede religi�se Richtung hat eigene ethische Schwerpunkte. Ethik steht zwar nicht im Mittelpunkt der Glaubensbekenntnisse und Hauptrituale, ist aber vielf�ltig aus diesen ableitbar. Es kann und es muss Diskussionen geben, inwieweit das Kolibri-Ethos mit religi�sen Aussagen vereinbar ist (fundamentalistischen, universalistischen, dualistischen oder anthropozentrischen). Das Kolibri-Ethos kann zur Verbreitung kritischer Gedanken gegen einzelne Religionen oder genauer gegen einzelne Richtungen dieser Religionen beitragen. Anderseits will es die Vielfalt bewahren und Leistungen w�rdigen. Daher kann es auch extremere Richtungen, sofern diese sich in die Vielfalt einordnen, die Menschenrechte wahren und die Arche Erde sch�tzen, stehen lassen.
Anders als das Weltethos, versucht das Kolibri-Ethos nicht einen gemeinsamen Nenner zu finden, sondern in Diskussion zu treten. Es ist ganz nat�rlich und normal, dass es in seinen Aussagen und Leitlinien von vielen nicht akzeptiert werden kann. Man muss die Weite der Verst�ndigungsf�higkeit ausloten und hoffen, dass sich diese mit der Zeit vergr��ert.

4.) Aus intoleranter Toleranz heraus wird die Aufgabe des Wahrheitsanspruchs gefordert.
Ein Wahrheitsanspruch l�sst sich nat�rlich nicht privatisieren, er muss aber zumindest ordentlich belegt werden, mit mehr als Zirkelargumenten, Selbstlob, Diffamierungen, Verteufelungen, Einsch�chterungen und Machtanspr�chen.
Verhindert der Wahrheitsanspruch den Dialog, weil er sich nicht in Frage stellen l�sst, ist das auch nicht sehr tolerant.
Hinter unserem Wahrheitsbewu�tsein steckt oft ein mystisches Ahnen, ein Sp�ren der N�he tiefer Wahrheiten, ohne dass wir diese klar oder ganz erfassen oder ausdr�cken k�nnen.
Das Kolibri-Ethos ist zu auslegbar und zu pers�nlich, um einen Wahrheitsanspruch im Sinne einer g�ttlichen Offenbarung oder einer fundierten, oft gepr�ften Philosophie zu vertreten.
Trotz dieser schwachen Position ist es nicht bereit einer "g�ttlichen" Offenbarung zu weichen, wenn diese menschliches g�ttlich nennt und zu keiner Selbstkritik, keiner Selbstkorrektur oder nicht zur �bernahme von geschichtlicher Verantwortung bereit ist.


UN-Erkl�rung der Menschenpflichten 1997 (nicht angenommen)

In der Allgemeinen Erkl�rung der Menschenpflichten
werden grundlegende Pflichten eines jeden Menschen und jeder menschlichen Gemeinschaft
und Organisation beschrieben. Leider konnte sich diese Erkl�rung 1997 in der UN nicht durchsetzen.
Sie findet jedoch Beachtung und hat spirituelle Auswirkungen.
Inhalt: "In neunzehn Artikeln wird menschenfreundliches Handeln genauer behandelt. So geh�rt es zu den grundlegenden Richtlinien, sich friedlich zu verhalten, andere Menschen freundlich und verst�ndnisvoll zu behandeln und hilfsbereit zu sein (siehe auch die Goldene Regel)."
Text der Erkl�rung bei www.interactioncouncil.org:
Attach:UN_Menschenpflichten1997_Unterzeichner.pdf Δ

Das development-institute.org erg�nzt noch eine
"Allgemeine Erkl�rung zur Menschlichen Verantwortung"


Ruth Lapide - Weltethos auf Sparflamme

Zitat aus www.religionslehrer.lu
"F�r ihr Ethos, ein �Weltethos auf Sparflamme�, hat sie als Leitfaden die Zehn Gebote und die Bergpredigt gew�hlt.
Als weitere Grundlagen ihres Ethos gab sie die in der Genesis verankerte Gleichwertigkeit von Mann und Frau an,
den Anspruch auf Ruhe f�r alle (Sabbat!), die Grundrechte auf Nahrung, Gesundheit, Glaubens-, Bewegungs- und Lernfreiheit
sowie das Recht auf Heimat. Aufgrund ihrer pers�nlichen Leidensbiographie setzt sie sich, mit all ihrer Kraft,
daf�r ein, dass die Menschen �berall diese Rechte bekommen und dass Verst�ndigung unter den Menschen
und Vers�hnung zwischen den Religionen Wirklichkeit werden.

Im Blick auf diese Vers�hnung und im Blick auf eine politische L�sung im j�disch-pal�stinensischen Konflikt
stellt sie der Gewalt f�nf alte Tugenden entgegen, die ganz allgemein als Basis
f�r gute zwischenmenschliche Beziehungen gelten d�rfen:

Konfliktf�higkeit
Dialogbereitschaft
Kompromisswille
Einf�hlsamkeit
Geduld

Frau Lapide betonte, dass niemand auf seine Ideale verzichten m�sste, dass aber nur Kompromisse ein Zusammenleben erm�glichen.
Wichtig sei es auch, sich in den anderen hineinzuversetzen, um zu erfahren, wie weit man gehen darf,
denn man d�rfe nie eine Selbstaufgabe vom anderen fordern. Sich und anderen Zeit lassen,
das sei ein weiterer wichtiger Punkt, der besonders im Konflikt um Jerusalem zu beachten sei.
Zum Vergleich verwies die Historikerin auf den Jahrhunderte dauernden und oft blutig ausgefochtenen Kampf um Elsass-Lothringen.

"Mein Weg", sagte Ruth Lapide, "sind diese f�nf alten Tugenden.
Zudem wei� ich: Jede Wahrheit hat drei Seiten.
Deine Seite! Meine Seite! Die richtige Seite, und die haben wir h�ufig gar nicht!"


Spielstrategien und die Ethik des Miteinanders

Im Rahmen der Spieltheorie und besonders der Analyse des Gefangenendilemmas hat man den Erfolg verschiedener
kooperativer oder nicht-kooperativer Verhaltensweisen berechnet.
Dabei haben sich Strategien als besonders erfolgreich bew�hrt, die folgende 4 Prinzipien beherzigen.

  1. Nett sein (Vertrauensvorschuss geben und zuerst kooperieren)
  2. Verzeihen (Nicht nachtragend sein und neu Kooperation anbieten)
  3. Sich wehren! (Auf negatives Verhalten mit Bestrafung und Kooperationsabbruch regieren, sich nicht dauerhaft ausn�tzen lassen!)
  4. Klar und einfach, verst�ndlich handeln (Nicht den Eindruck von Beliebigkeit oder Willk�r erzeugen, sondern den von Verl�sslichkeit)

Eine der erfolgreichsten Strategien war Tit-for-Tat (Auge und Auge).
Auch wenn das alles nur in einer extrem vereinfachten Umgebung "berechnet" wurde
und daher nicht direkt in den Alltag �bertragen werden kann, ist das Ergebnis erstaunlich.
Es hilft einer Gruppe, wenn sich alle auf Kooperation und Zusammenarbeit verst�ndigen
und nicht-kooperatives Verhalten nicht lange tolerieren, aber auch nicht ewig sanktionieren.

Das Paretoprinzip (80/20 Regel)

Das Paretoprinzip besagt, dass ein kleiner Anteil des Aufwands f�r einen gr��eren Teil des Erfolgs verantwortlich ist.
Man kann also mit wenig Einsatz schon sehr erfolgreich sein und wenn man versucht 100% zu erreichen,
dann ben�tigen die letzten wenigen Prozent einen sehr hohen Aufwand.
Versucht man beispielsweise die Anzahl an Unf�llen zu vermindern, k�nnen einfache Ma�nahmen mit wenig Aufwand schon viel bringen,
wogegen eine Reduktion der Unf�lle auf Null extrem schwierig ist.
Das l�sst sich auch auf ethische Bereiche wie Streitereien, Kommunikationsprobleme oder das Trainieren von guten Verhaltensweisen �bertragen.
Da sich aber bei Workflows kleine Fehler �ber mehrere Schritte potenzieren, gibt es auch Situationen,
in denen der Verzicht auf die letzten Prozent Genauigkeit oder Erfolg gef�hrlich werden kann.
Hier muss dann der Aufwand betrieben werden. Ein Beispiel sind Grundregeln oder Grundgesetze.
Weil Gemeinschaften und Pers�nlichkeiten wachsen, verst�rken sich kleine Verbesserungen oder heilen Schw�chen und Fehler aus.
Hier reicht dann auch der ber�hmte Aufwand f�r den ersten Schritt oder die ersten Schritte, um viel zu erreichen.

Im Detail geht man bei der 80/20 Regel in diesen Schritten vor:

  1. Genaue und fortlaufende Analyse der Aufgabe oder der Probleme (Zusammenh�nge, Auswirkungen, Monitoring)
  2. Beschreibung von Visionen und Zielen
  3. Definition von Aktionen und Ma�nahmen
  4. Absch�tzung des Aufwands und der zu erwartenden Ergebnisse je Aktion
  5. Angehen, Planung und Umsetzung der Aktionen mit dem schnellsten und gr��ten Erfolg bei geringerem Aufwand
  6. Feiern der Erfolge

Das Paretoprinzip ist fehlerfreundlich und verlangt keine Vollkommenheit.
Die Grenzen und Schw�chen der Menschen und ihrer Gemeinschaften werden anerkannt.
Von dieser Grundsituation ausgehend wird dann aber dennoch versucht, Verbesserungen zu erreichen.
Im Bereich der "low-hanging fruits" ist dieses Vorgehen am erfolgreichsten.


Vision und Werte der Tempelhof-Gemeinschaft

Die Visionen und Werte der Tempelhof-Gemeinschaft umfassen 7 Werte:
Gemeinschaft
Vielfalt
All-Leader (Alle sind wichtig, besonders begabt und bestimmen die Richtung mit!)
Beziehungs- und Kommunikationskultur
Verantwortung
Nachhaltigkeit
�konomische Transformation

In vielen Seminaren und Workshops werden im Tempelhof Friedensf�higkeit, das tiefe Wir,
Wir-Prozesse, neue Formen des Umgangs mit der Natur und vieles andere mehr vermittelt und einge�bt.


Logos, Ethos, Pathos und Kairos

Logos, Ethos und Pathos bilden einen eigenen Kosmos und Kompass.
Logos steht f�r die inhaltlich-kognitive Dimension.
Ethos umfasst die moralisch-ethische Dimension.
Pathos integriert den Bereich Psyche und Emotionen.
Kairos steht f�r Ort (oder Situation) und Zeit (Zeitpunkt).
Urspr�nglich wurden die drei Dimensionen Logos, Ethos und Pathos in der Antike im Bereich der Rhetorik (Aristoteles) verwendet.
Den Inhalt und die Argumentation einer Rede und die Verst�ndlichkeit f�r die Zuh�rer beschrieb Logos.
Ethos bezeichnete die Glaubw�rdigkeit des Redners und umfasste auch das Vertrauen, das die Zuh�rer ihm gaben.
Die emotionale Dimension einer Rede und damit auch die beim Zuh�rer geweckte Emotionalit�t beschrieb Pathos.
Kairos als das rechte Wort zur rechten Zeit, als die Betonung des Moments und Momentums,
des HIER und JETZT kam erst sp�ter dazu. (Kairos ist urspr�nglich der Moment beim Bogenschie�en den Pfeil loszulassen.)
Verl�sst man die Engf�hrung auf die Rede und wendet diese Dimensionen auf alles Handeln und alle unsere Projekte an,
dann wird eine Grundwerkzeug f�r unseren Alltag und unser Leben daraus.

Ein Weg oder ein Projekt muss vom Verstand durchdacht und geplant werden (Logos), dann vom Gewissen gepr�ft (Ethos)
und schlie�lich vom Willen mit Begeisterung und Selbstbewusstsein gegangen oder realisiert werden (Pathos).
In allen drei Bereichen m�ssen Kl�rungen und Entscheidungen erfolgen.
Der Wille und die innere Begeisterung, das innere JA und das Gef�hl: "So ist es GUT!"
sind ebenso wichtig wie eine gute Planung und die Orientierung an unseren Grundzielen!

Logos, Ethos, Pathos und Kairos lassen sich so als Grunddimensionen verstehen,
die uns helfen, keine wichtigen Aspekte zu �bersehen.
Halten wir immer mal wieder inne und betrachten alles aus diesen vier Blickwinkeln.
Dabei k�nnen die folgenden Fragengruppen helfen.

Fragenkataloge f�r die antiken Dimensionen Logos, Ethos, Pathos und Kairos

Logos: Die Qualit�t des Inhalts und der Darstellung
ZIEL: F�r mich und andere klar und logisch alles darstellen!
WEG: Genaue Analyse, klare Strukturen, Integration von Wissen und Erfahrungen
Fragen:
Ist meine Planung und meine Analyse ausreichend?
Wo habe ich noch Widerspr�che und Konflikte bei diesem Thema?
Wo kann ich mir noch bessere und genauere Informationen holen?
Was sind meine Kernpunkte und Grundaussagen?
Was will ich minimal erreichen?

Ethos: Die Qualit�t der Personen, Grundziele und Grunds�tze
Ziel: F�r mich und andere �berzeugend und glaubw�rdig sein!
WEG: Alles an unseren Grundzielen, Grundrechten und Grunds�tzen orientieren!
Fragen:
Finde ich das Projekt gut und kann ich es nach au�en vertreten?
Sind wir ehrlich zu uns selbst?
�berschreiten oder missachten wir Grenzen?
Welchen Fu�abdruck hat das Projekt?
Welche Werte sind uns in diesem Projekt wichtig?

Pathos: Die Qualit�t der Emotionen und Motivationen
ZIEL: Meine Begeisterung und meine innere Kraft einbringen
WEG: Hemmungen, �ngste und Widerst�nde kl�ren, Begeisterung wecken, Bejahen st�rken
Fragen:
Wie sehr bin ich ber�hrt und sind wir ber�hrt?
Was treibt uns an?
Woher kommt unsere Energie?
Wie weit reicht unsere innere Kraft und unser JA?
Wie viele R�ckschl�ge k�nnen wir verkraften?
Kann das Projekt scheitern?
Sind unsere Tr�ume realistisch?
K�nnen wir andere begeistern?

Kairos: Die Qualit�t des Moments
ZIEL: Den rechten Ort und die rechte Zeit finden, erleben und gestalten!
WEG: Ressourcen und Vorbedingungen planen, passende Orte suchen und den Moment ergreifen
Fragen:
Was kann jetzt und hier verwirklicht werden?
Wie kann ein passender Ort aussehen?
Kann dieser Moment und dieser Ort hier mit einfachen Mitteln verbessert werden?
Ist der Zeitraum ausreichend?
Kann es logistische Probleme geben?
Welche �berg�nge (Einstimmungen, Auskl�nge) gibt es?

Rhetorik und Menschenkunde

Die Besch�ftigung mit der antiken Rhetorik hat bei mir zu weiteren Fragen gef�hrt,
die noch nicht beantwortet werden k�nnen:
Der Islam hat viel von der Antike �bernommen.
Warum nicht all das Wissen �ber und die zentrale Stellung der Rhetorik in der Bildung?
Ist Rhetorik nicht auch heute wieder ein wichtiger Bildungsinhalt, weil das Lesen abnimmt
und der Dialog, die freie Rede wichtiger wird, um seinen Platz in der Gesellschaft zu finden
oder die Gesellschaft an sich zu bauen.
Es gibt das Fach Sachkunde als eines der Grundf�cher der Grundschule.
Sollte es nicht auch ein Fach Menschenkunde geben?
Was k�nnte der Inhalt dieses Bereichs Menschenkunde in der Grundschule und sp�ter
in den weiterf�hrenden Schulen sein? Was k�nnte das Ziel davon sein?
Inwieweit kann die Kolibri-Ethos Website den Bereich Menschenkunde abdecken und f�rdern?

Training und Ein�bung - ethisches Wachsen

Ein weiterer offener Kreis von Fragen:
Kann man Formen der Liebe ein�ben?
Kann man ethische Strukturen vertiefen und dadurch seelisch-ethisch wachsen?
Sind Tugenden erlernbar?

Der Punkt hier ist die Bewertungsebene, die man braucht um Verbesserungen zu messen.
Die hat man nicht so einfach und das Bewerten selbst kann st�ren und zerst�ren,
weil man die Innigkeit und Verbundenheit verl�sst und meint auf Metaebenen zu schweben.

An sich k�nnen wir nicht Nicht-Kommunizieren, Nicht-Auslegen oder Nicht-Ethisch-Handeln.
Wir sind st�ndig am �ben und Umsetzen, am Verwirklichen und Bauen.
Dennoch kann man sich speziell mit einzelnen Tugenden besch�ftigen oder intensiv Dialoge �ben.
Man kann gemeinsam verstehen, planen, ordnen und vieles mehr verbessern - auf vielerlei Wegen.

Es sollte auf jeden Fall hier mehr erarbeitet werden an Hilfestellungen, Kursen, Ratgebern
oder Fachfortbildungen um das ethisch-seelische Wachsen zu f�rdern.
Liebe, Ethik oder seelische Gesundheit sind keine Schwerpunkte unserer Gesellschaft
wie man das f�r den Bereich Sport, Medien, Verkehr, k�rperliche Gesundheit oder Finanzen sagen kann.